Die Zeit ist reif für Elser!


Vielfach wurde Georg Elser wahlweise als zwielichtiger Bombenleger oder gedungenes Subjekt bezeichnet und sogar in die Nähe von Terrorismus gerückt. Solche tendenziösen Versuche dienten lediglich dem Zweck, das Vorbild eines wahren Humanisten zu diffamieren und seine Verdienste um eine friedliche und demokratische Entwicklung Deutschlands zu schmälern.
Elser wollte das Land von einem üblen Tyrannen befreien - lediglich dreizehn Minuten fehlten am Gelingen dieses Vorhabens. Wäre Hitler am 8. November 1939 diese Minuten länger im Münchner Bürgerbräu geblieben, dann wären der Welt mit großer Wahrscheinlichkeit ein fürchterlicher Krieg mit 50 Millionen Toten, die Vernichtung von 5,6 Millionen Juden, die Vertreibung unzähliger Deutscher aus ihrer Heimat, eine Unzahl von Grausamkeiten sowie schließlich ein noch viele Jahre dauernder Kalter Krieg erspart geblieben.
Ein Denkmal mehr? Oder was fangen wir mit einem an, der es wirklich wert ist, das man sich mit ihm befasst. Denkmäler gibt es in Deutschland zu Hauf. Sie stehen scheinbar friedlich nebeneinander. Mal für den Krieger, mal für den Antikrieger, weniger für den Verweigerer. Den größten Anteil stellen die Denkmäler für die Erinnerung an den jeweiligen Massengeschmack der meisten Eltern und Großeltern. Nur zögernd, oft widerstrebend hatte man auch ab und an der Opfer gedacht, dann auch derer, die sich dem verbrecherischen System entgegenstellten. Aber hier wurde fein ausgesiebt, nicht jedem wurde die Ehre zu teil vom herrschenden Zeitgeist als "widerstandswürdig" anerkannt zu werden.
Viele Widerstandskämpfer, Verweigerer und Gegner des NS-Systems mussten in beiden deutschen Staaten vergeblich auf Rehabilitation geschweige denn Anerkennung ihres humanistischen Handelns warten.
Der Bundestagsbeschluss für die Aufhebung der Unrechtsurteile gegen Kriegsverräter und Deserteure in der NS-Zeit, im September 2009 gefaßt, beinahe 65 Jahre nach Kriegsende, ist das überfällige und traurige Ende dieses Kapitels. Die Wiedereingliederung der NS-Verbrecher, meist ohne Strafe, in das Gemeinwohl geschah dagegen geräuschlos, die Pensionszahlungen von Staats wegen für die Mörder aus den Apparaten von SS, Polizei und Wehrmacht wurden anstandslos ausgereicht.
Die DDR wurde zwar zum antifaschistischen Bollwerk erklärt, und alte Nazis wurden in der Regel hart bestraft, doch es bleiben Zweifel, ob in diesem Teil Deutschlands auf einmal die Masse der Mitläufer geläutert und jetzt besonders demokratisch sein sollte.

Eine Chance für mehr Licht in die Geschichte:
Die meisten Täter und Mitläufer des NS-Staates leben nicht mehr, d.h. die Masse der Erwachsenen von damals ist tot. Die Mehrheit, die den verheerenden II. Weltkrieg ermöglichte, hatte bis zuletzt mehr oder weniger mitgeholfen, das Andenken an ihre Gegner zu verhindern und zu erschweren. Im zweiten deutschen Staat DDR war die Würdigung des antifaschistischen Widerstandskampfes zwar Staatsdoktrin, doch Menschen, die nicht aus der Arbeiterbewegung heraus "organisiert" gegen das NS-System gekämpft hatten, waren zunächst erst einmal suspekt.
Jetzt müsste endlich eine gesamtgesellschaftliche Würdigung der Menschen möglich sein, die dem verbrecherischen Nazisystem von Beginn an widersprochen und sich verweigert haben.
Die Neu-Beschreibung und Bewertung des deutschen Widerstandes sollte es jetzt leichter haben und diese Chance sollte genutzt werden. Mit Elsers Rehabilitation und Anerkennung wird vielen auch erstmals deutlich werden, daß die Masse der Deutschen sich wirklich schuldig gemacht hat, nicht verführt wurde und damit Straftäter waren.
Elsers Verweigerung gegenüber dem NS-Staat zeigte, daß diese auch möglich war, aber den Nachkriegsdeutschen waren Helden, die ebenfalls mitgelaufen sind, lieber, deshalb hatte es die Erinnerung an Elsers Courage bisher so schwer. Zweifelsohne gebührt auch der Tat von Stauffenbergs höchste Anerkennung, doch hatten die Männer um ihn nicht jahrelang als aktive Unterstützer der Nazis und ihres Krieges auch große Schuld auf sich geladen?

Was will die Courage Elser Initiative?


Es ist Zeit, Georg Elser endlich aus der gesellschaftlichen Isolation zu befreien, damit Deutschland sich zu einem seiner besten Vorbilder bekennen kann:

Wir brauchen endlich Gerechtigkeit für Georg Elser in der Öffentlichkeit, stellvertretend für alle wahren Gegner des Nazi-Systems. Das ganze Land muss die Möglichkeit haben, von Elsers Courage zu erfahren.

Wir brauchen die Chance, Elser durch unseren Einsatz für Zivilcourage würdigen zu können. Elsers Courage muss zum öffentlichen Symbol auch für Zivilcourage heute werden.

Wir schlagen deshalb vor, landesweit die Aktivitäten in diesem Sinne neu zu diskutieren und zu vernetzen. Die Courage-Elser-Initiative hat zu beiden Aufgaben Vorschläge erarbeitet und stellt diese hiermit öffentlich zur Diskussion.


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